Wo sitzt der Twang? Dieser Frage stellte sich in unserem letzten Q&A zum Thema Twang. Und dann ging es um den “Stimmsitz” ganz allgemein. Und das ist doch eine Frage, wie geschaffen, um sie bei einem Glas Tequila zu beantworten. Und du kannst unseren Blog Artikel lesen unter der Fragestellung: Was ist Twang?

Wir erklären in unseren “Tequila Talks” kurz und prägnant ein Thema, das uns am Herzen liegt oder zu dem wir immer wieder gefragt werden. Es passt wunderbar bei einem Glas Tequila. Frei nach dem Motto: Mensch, wie toll, dass ich euch hier treffe. Was ich schon immer mal fragen wollte …..

Heute schauen wir uns mal eine Frage an, die wir so oder leicht verändert immer wieder hören.

Was genau ist ein Stimmsitz? Und ist er notwendig?

Wofür ist Stimmsitz gut?

“Stimmsitz” gab und gibt es schon sehr lange, vor allem in der klassischen Gesangsausbildung. Wir brauchen einen “Sitz” der Stimme, damit sie über das Orchester trägt. Das ist sein erster und wichtigster Zweck. Und das sollte auf eine Weise passieren dürfen, die so ökonomisch wie möglich ist, denn ansonsten riskieren wir, durch zu viel Druck und Ineffizienz unsere Stimme zu schädigen. Und das wollen wir alle, die wir singen und unterrichten um jeden Preis verhindern.

Was ist Stimmsitz?

Und das warf dann allerdings die ganz allgemeine Frage auf: Was ist mit Stimmsitz gemeint und ist der wirklich notwendig, wie so manche Gesangspädagog:innen und Vocal Coaches behaupten?

Normalerweise versteht man unter Stimmsitz einen Ort, an dem die Stimme durchgängig durch Schwingung zu spüren ist. Das bedeutet, dass man versucht, Frequenzen an diesem Ort zu erleben. Oft ist es ein Teil der Nase. Oder auch die Wangenknochen, genauer gesagt, der Jochbein Bogen. Mal gibt es eine Anweisung sich auf einen Punkt zwischen den Augen, auch als 3. Auge bekannt, zu fokussieren. Oder das Schädeldach zum Schwingen zu bringen.

Überall dort haben wir Knochen und die können Schwingungen leiten und empfangen.

Welche Probleme können wir mit “Stimmsitz” bekommen?

Das Problem mit dieser Art von Stimmsitz ist allerdings, dass wir versuchen unter Einsatz unserer Artikulation Schwingungen dorthin zu bringen.

Und an der Stelle setzt unser Widerspruch gegen das typische Erlernen von “Stimmsitz” ein.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, sekundäre Schwingungen an all diesen Stellen zu erleben. Aber wir sollten uns klar sein, dass die primären Schwingungen von unserer Vibrationsquelle, den Stimmlippen und unserem Resonanzraum, dem Vokaltrakt kommen. Und dort können wir sie auch erleben. Sobald wir versuchen, sie weiter nach außen zu bringen, werden wir unsere Zunge und die Muskeln unseres weichen Gaumens einsetzen.

Sie stehen uns dann leider nicht mehr für die optimale Gestaltung unseres Resonanzraums zur Verfügung. Und auch die Artikulation wird leiden, denn die Zunge ist ein sehr wichtiger Bestandteil von Artikulation und Gestaltung des Resonators.

Zudem werden wir unseren Vokaltrakt verkürzen. Denn wollen wir Schwingungen beispielsweise Richtung harten Gaumen bringen, wird der Raum immer kürzer, denn die Richtung der Schwingungen erlaubt nicht mehr von ganz unten Richtung weichem Gaumen nach oben zu gehen, sondern mehr und mehr nach vorne.

Durch die Art der Zungenbewegung wird der Vokaltrakt ungünstigerweise mehr oder weniger verkürzt. Und der weiche Gaumen wird häufig zu sehr angespannt.

 

Kehlkopfmodell mit 3 Pfeilen Richtung harten Gaumen, unterschiedlich weit vorne

Abb. 1: Das sind 3 mögliche und übliche Positionen, wohin wir die Schwingungen manchmal “schicken” sollen. Je nach Ästhetik und Verständnis von “Stimmsitz”.

 

Modell Kopf, seitlich angeschnitten, Pfeil nach oben zum weichen Gaumen und einer vom Kehldeckel nach vorne

Abb. 2: Schwingungen gehen nach oben zum weichen Gaumen, Kehldeckel darf mehr öffnen.

Was sieht man auf der Abbildung?

Eine wichtige Erklärung zum Bild: Der weiche Gaumen ist beim Singen und Sprechen eher geschlossen. Da es sich in den Abbildungen immer um Präparate von Verstorbenen handelt, von denen abgezeichnet wird, ist der weiche Gaumen immer geöffnet und das Zäpfchen hängt sehr weit herunter. Das ist im Lebenden und besonders bei Sänger:innen anders, es sei denn wir nutzen diese Öffnung als Stilmittel oder es kommt aus unserer Sprachgewohnheit.

Auf der Abbildung 1 wäre Nr. 1 etwa die Position in Richtung der Augen zu denken, Nr. 2 in Richtung des oberen Teils der Nase und Nr. 3 hinter den Zähnen. Manche gehen so weit und sagen, die Zähne klingen mit.

In Abb. 2 wird angedeutet, wohin die Schwingungen gehen, wenn man den Vokaltrakt mehr öffnet und nicht versucht, sekundäre Empfindungen bewusst irgendwo hinzuschicken. Wenn dann der Kehldeckel noch aufgehen darf, kann noch mehr Klang produziert werden.

 

Was haben Twang und Stimmsitz gemeinsam?

Kommen wir zu dem Begriff des “notwendigen Twang”. Meiner Meinung liegt hier eine Verwechselung vor. Twangfrequenzen sind verschiedene definierte Frequenzen, die eine Differenzierung von Näselfrequenzen beinhalten. Diese kommen häufig in der Sprache vor. Die deutsche Sprache hat davon nicht so viele, die amerikanische sehr viele. Kein Wunder also, dass der Twang aus den USA eingewandert ist.

Gemeinsam ist beiden, dass diese Frequenzen eine Tragfähigkeit besitzen. Stimmen mit einem Sitz und Stimmen mit Twang sind gut hörbar. Deshalb werden sie manchmal gleichgesetzt. Oder sie scheinen so ähnlich zu sein, dass manche den Unterschied nicht verstehen. Wenn wir also keine Frequenzen definieren, kann uns das in eine Sackgasse führen oder eben im Diffusen und unverständlich bleiben.

Twang ist ein Stilmittel und sollte von daher immer nur als Ausdruck eingesetzt werden und nicht durchgehend sein. Um bestimmte Frequenzen zu verstärken, die wir beim Twang hören wollen, darf der Kehldeckel (s. Abb. 2) nicht so weit geöffnet sein. Aber wenn wir dauerhaft mit Twang singen, leidet die Wärme der Stimme.

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“Stimmsitz” oder wir würden eben lieber sagen, Tragfähigkeit, die sich immer im Bereich der höheren Frequenzen ereignet, ist eine Notwendigkeit, wenn es sich um klassische Stimmen handelt. Aber auch im Popularbereich kann das für die Stimme gut sein, da sie, wenn sie physiologisch sinnvoll produziert wird, vor Schaden schützt.

Und auch der Output in ein Mikrofon darf ruhig hoch sein. Darüber freut sich jeder Mischer, wenn er nicht alles bis auf Anschlag nach oben ziehen muss, weil die Sängerin oder der Sänger sonst nicht mehr gehört wird.

1 Kommentar

  1. Vielen, vielen Dank für den knackigen, wertfreien, stimmdienlichen Input.
    Ich bin immer begeistert von eurer Genauigkeit in der Sprache und der Anschaulichkeit eurer Beiträge.

    LG Johanna

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